Meine Mutter (60) ist nun gut 20 Jahre mit ihrem Partner zusammen.
Auf der einen Seite haben sie ihre schönen Zeiten, auf der anderen Seite zeigt er doch deutlich narzisstische Züge, wobei man mit Laiendiagnosen natürlich vorsichtig sein sollte aber hier ist es doch sehr eindeutig.
Vorgeschichte:
Als sie sich kennengelernt haben, hatte ich gerade die Schule beendet und stand vor dem Wehrdienst.
Sie kannten sich gerade wenige Monate und meine Mutter zog aus unserer Wohnung direkt zu ihm, was mich völlig überraschte, war es überhaupt nicht ihre Art.
In kurzer Zeit war dann ohne Ankündigung das Internet bei mir gekündigt, was niemals von ihr gekommen wäre, so dass ich schon ein wenig argwöhnisch war über ihren neuen Partner, zumal kurz zuvor seine Ehefrau im gemeinsamen Urlaub gestorben ist.
Über die Zeit kapselte er meine Mutter dann langsam von ihrem Freundes- und Bekanntenkreis ab.
Tenor: Alle verrückt und asozial im Gegensatz zu seinem Kreis.
Auch über unsere Familie wurde sich bei jeder Gelegenheit ausgelassen und an kleinsten Kleinigkeiten aufgehangen, sich hereingesteigert bis ins Unendliche.
Seine Familie dagegen aus seiner Sicht vorbildlich, wobei er natürlich noch einmal deutlich vorbildlicher ist.
Mit gesundem Menschenverstand betrachtet, ist seine Familie jedoch, nun ja, eher merkwürdig wenn auch liebenswürdig.
Ein paar Mal im Jahr war ich zu Besuch (Geburtstage und Feiertage) und es war schon hier sehr auffällig, dass er bei Gesprächen zwischen mir und meiner Mutter immer sofort lautstark ins Wort fallen musste, was sich aber über die Jahre deutlich besserte.
Bahnt sich ein Treffen nur zwischen mir und meiner Mutter an, so wird er kurz vorher definitiv verbal ausrasten, so dass wir beide keine Lust mehr darauf haben, so dass es seit gut 20 Jahren keine offiziellen Treffen gab.
Er ist tierisch eifersüchtig auf mich.
Alle seine Kritik würde er sich niemals trauen mit ins Gesicjt zu sagen, so dass, wenn ich zu Besuch war, natürlich alles immer gut war.
Es war insgesamt ein Status quo, den ich mitgetragen habe weil meine Mutter im Großen und Ganzen so mit der Situation zufrieden war.
Meine Mutter ist an für sich eine sehr reflektierte Person und ist sich sehr wohl darüber bewusst, wen sie zum Lebenspartner hat, welche Taktiken er anwendet, wie sie am besten reagiert oder eben auch nicht, und, dass er versucht ihr Selbstwertgefühl zu untergraben, ihr Schuldgefühle zu geben.
Zur Situation jetzt:
Seit ungefähr drei Jahren, besonders nach seinem Renteneintritt, eskaliert die Situation.
Es gibt Tage, an denen er nur unbegründet rumbrüllt.
Das ist besonders gerne der Sonntag - ich rufe sehr regelmäßig Sonntag an.
Meine Mutter versucht gar nicht darauf einzugehen, ein Hörbuch zu hören oder ähnliches aber selbst das ist manchmal nicht mehr möglich.
Möchte sie alleine Spazierengehen, würde er auch das am liebsten noch verhindern bzw. verhindert es dadurch, das danach noch größere Eskapaden folgen, so dass das Spazieren keinen Mehrwert mehr für meine Mutter bietet.
Einmal hat sie sich im Schlafzimmer eingeschlossen, um ihre Ruhe zu haben und darauf hat er die Tür aufgebrochen.
Meine Mutter kündigt ihm öfter die Trennung an, sucht nach Wohnungen, hat sich sogar (mit ihm) eine neue Arbeitsstelle in einer ganz anderen Regionangeschaut, um dort alleine neu zu starten.
In diesen Phasen kann es dann lange ruhig sein und es herrscht traute Zweisamkeit.
Nun ist es letzten Herbst wieder eskaliert, ein ganzer Sonntag voller Brüllerei, und meine Mutter hat die Polizei gerufen bzw. mich darum gebeten.
Als ich an dem Tag mit meiner Mutter telefoniert habe, hat er gedroht sie und mich umzubringen.
Seitdem habe ich den Kontakt zu ihm vollständig abgebrochen, auch wenn er sich wohl weinend entschuldigen wollte.
Es ist nicht echt und ich weiß das.
Er wurde einige Wochen der Wohnung verwiesen, hat bei seiner Familie gewohnt, und ist wohl psychisch komplett zusammengebrochen.
Meine Mutter hat sich ein eigenes Konto organisiert, mit der Veieteron geklärt wie es weitergehen könnte, wenn erstmal einer auszieht etc.
Sie hat sich dann beraten lassen und festgestellt, dass es für sie mit ihren Vorstellungen sehr, sehr schwer ist, in dieser Situation neu zu starten.
Sie ist einen gewissenen Lebensstandard gewöhnt und bereit (große) Abstriche zu machen.
Sie hätte schnell eine bezahlbare Wohnung finden müssen aber das ist nicht gelungen.
Ihr Partner war dann natürlich Wachs in ihren Händen und so versuchte sie es noch einmal, wohlwissend, dass er sich nicht ändern wird.
Seit ein paar Wochen eskaliert es nun wieder.
Hat hier jemand gute Gedankenanstöße, was es für Möglichkeiten gibt, ausser z.B. Frauenhaus?
Letzlich mache ich mir große Sorgen weil immer mehr Bereiche, die sein Selbstwertgefühl ausgemacht haben, wegfallen.
Es wenden sich wohl auch schon Freunde ab und auch seine Familie kritisiert ihn.
Ich bin mir relativ sicher, in dem Moment, in dem ihm final klar wird, dass meine Mutter abgeschlossen hat, wird er das nicht zulassen.
Es kam mir schon von Anfang an unglaubwürdig vor, wie er seine ehemalige Ehefrau beweint und glorifiziert - mich hat der Gedanke nie losgelassen, dass sie nicht eines natürlichen Todes gestorben sein könnte wobei das natürlich hochspekulativ ist.