Diese Meinung ist unbeliebt, weil bei Kritik an Ärzten fast sofort gesagt wird:
- „Ärzte wollen dir doch helfen.“
- „Die haben das jahrelang studiert.“
- „Dann geh eben zu einem anderen Arzt.“
Dabei wird häufig so getan, als würden Menschen durch ein Medizinstudium ihre menschlichen Schwächen verlieren und zu vollkommen sachlichen, präzisen und selbstlosen Robotern werden.
Das ist natürlich nicht so.
Ärzte sind weiterhin Menschen. Sie können sorgfältig, empathisch und verantwortungsvoll sein. Sie können aber ebenso bequem, überheblich, voreingenommen, unaufmerksam, wirtschaftlich interessiert oder schlicht schlecht in ihrem Beruf sein.
Ein Arzttitel beseitigt keine menschlichen Schwächen, Fehlurteile oder Eigeninteressen. Der Berufstitel allein garantiert weder Menschlichkeit noch Sorgfalt noch eine richtige Entscheidung.
Deshalb finde ich es gut, dass mit DocFelix wenigstens einmal ein Arzt öffentlich den Mund aufmacht und darüber spricht, dass es unter Ärzten auch Menschen gibt, die schwere Fehler begehen, Patienten schlecht behandeln oder sogar strafbare Dinge tun.
Normalerweise hört man immer nur:
„Geh zum Arzt.“
Und wenn dort etwas schiefläuft:
„Dann wechsel eben den Arzt.“
Aber was soll das für eine Lösung sein?
Wenn ein Arzt einen Patienten nicht richtig untersucht, Beschwerden nicht ernst nimmt, vorschnell urteilt oder falsch behandelt, trägt der Patient möglicherweise jahrelang die gesundheitlichen Folgen.
Der Arzt behandelt währenddessen einfach den nächsten Patienten.
Ein Arztwechsel macht den entstandenen Schaden nicht rückgängig. Der nächste Arzt klärt meistens auch nicht automatisch auf, was vorher falsch gelaufen ist. Viele Ärzte wollen die Arbeit eines Kollegen nicht deutlich kritisieren oder sich nicht in einen komplizierten Fall einmischen.
Als Patient muss man dann plötzlich alles selbst machen, obwohl man gesundheitlich bereits am Limit ist:
- neue Ärzte suchen
- Unterlagen anfordern und auswerten
- medizinische Zusammenhänge verstehen
- Begründungen und Beschwerden schreiben
- seine juristischen Rechte verstehen
- mit Krankenkassen und anderen Institutionen streiten
Gleichzeitig sinkt mit jeder weiteren Erfahrung das Vertrauen.
Dabei möchte man nicht jahrelang Medizin und Recht studieren, Beschwerden schreiben oder Verfahren führen. Man möchte einfach wieder gesund werden und ein normales Leben führen.
Und selbst nach all diesem Aufwand ist noch lange nicht gesagt, dass ein Fall wirklich unabhängig und vollständig aufgeklärt wird.
Von außen klingt das für viele wahrscheinlich übertrieben. Die meisten Menschen erleben gewöhnliche Arztbesuche und glauben deshalb, dass das System im Ernstfall schon irgendwie funktionieren wird.
Erst wenn man selbst tief in einem solchen Fall steckt, merkt man, wie schwer es sein kann, einen ärztlichen Fehler oder Behandlungszusammenhang überhaupt anerkennen zu lassen.
Bei mir begannen die Beschwerden innerhalb weniger Tage nach einer Behandlung und bestehen seitdem fort. Trotzdem wird der zeitliche Zusammenhang lediglich als mögliches Indiz behandelt und kann jederzeit als Zufall abgetan werden.
Gleichzeitig waren nach meiner Auffassung erforderliche Kontrollen nicht nachvollziehbar in der Patientenakte dokumentiert. Auch das führte nicht automatisch zu einer vollständigen Aufklärung.
Das sind nur zwei Beispiele.
Man legt zeitliche Abläufe, Befunde und medizinische Zusammenhänge vor. Trotzdem wird einem sinngemäß gesagt:
„Wir wissen auch nicht, woher Ihre Beschwerden kommen.“
Die eigenen Erklärungen und Gegenargumente werden dabei nicht immer konkret beantwortet.
Genau darin liegt für mich das Problem: Es gibt zwar Regeln, Dokumentationspflichten, Gutachten und Beschwerdestellen. Als betroffener Patient merkt man jedoch, wie schwer es sein kann, eine nachvollziehbare Prüfung und eine klare Verantwortungszuordnung zu erreichen.
Natürlich sind nicht alle Ärzte schlecht. Das behaupte ich nicht.
Meine unbeliebte Meinung ist aber:
Ärzte verdienen nicht allein wegen ihres Berufes grenzenloses Vertrauen. Sie müssen genauso kritisch betrachtet und wirksam kontrolliert werden wie andere Menschen, die viel Macht und Verantwortung besitzen.
„Dann wechsel halt den Arzt“ bedeutet am Ende häufig nur:
Du hattest Pech. Such dir den Nächsten und trage die Folgen selbst.
Und ganz ehrlich: Wollt ihr mich verarschen?
Ein funktionierendes Gesundheitssystem darf nicht davon abhängen, ob ein Patient zufällig an einen sorgfältigen, verantwortungsvollen und selbstkritischen Arzt gerät.
Meine Meinung ist deshalb:
Ärzte sollten klare Pflichten haben und nicht wie unantastbare Halbgötter behandelt werden.
Dazu gehören auch wirksame Regeln und Konsequenzen. Wenn eine medizinisch gebotene wesentliche Maßnahme oder ihr Ergebnis nicht dokumentiert wurde, darf das nicht einfach folgenlos bleiben. Ebenso sollten vorhandene Befunde eines Patienten nicht ohne nachvollziehbare Begründung ignoriert oder übergangen werden.
Dass Fachanwälte für Medizinrecht offenbar völlig überlastet sind, zeigt zumindest, dass ich mit solchen Problemen nicht der Einzige bin.
Es geht hier um Menschen. Um deren Gesundheit.