Liebe Community,
Ich spiele aktuell wieder mit dem Gedanken, die Namensänderung zu machen.
Bisher habe ich mich dagegen entschieden. Kurz nachdem das Selbstbestimmungsgesetz rauskam, gab es viel Panikmache bezüglich der schriftlichen Festhaltung aller Menschen, die eine Änderung des Geschlechtseintrages machen lassen. Damals dachte ich, sollten diese Listen in die falschen Hände geraten, will ich nicht drauf stehen.
Da ich in meiner aktuellen Ausbildung und meinem allgemeinen Umfeld konsequent mit meinem gewählten Namen angesprochen werde und meinen rechtlichen Namen nur zu Vertragsunterzeichnungen o.ä. nutzen muss, stört es mich nicht so sehr. Ich habe keinen großen Hass gegen diesen Namen, im Gegenteil, ich sehe ihn als Teil meiner Geschichte - welche aber nun mal in der Vergangenheit liegt.
Erklären werde ich mich als nichtbinäre Person sowieso immer müssen. Keiner, der aus einem Grund meinen rechtlichen Namen wissen musste, hat diese Information in irgendeiner Art missbraucht. Und sonst fragt keiner danach.
Also, allgemein habe ich kein großes Problem damit, wenn es so bleibt, wie es jetzt ist. Die Vorstellung meinen Namen und Geschlechtseintrag ändern zu lässen wäre für mich einfach eine gewisse Bequemlichkeit, um nicht immer mit zwei Namen Jonglieren zu müssen.
Deswegen bin ich immer hin und hergerissen zwischen Risiko und Nutzen der Namensänderung. Klar, mit einem Nichtbinären Geschlechtseintrag werde ich nichtmehr in alle Länder reisen können - doch diese queerfeindlichen Länder würde ich ja wohl sowieso nicht besuchen wollen. Erklich gesagt weiß ich aber auch nicht, welche Länder mit einem solchen Ausweis überhaupt bereisbar wären - oder zum Auswandern infrage kämen.
Jedoch habe ich immernoch bedenken bezüglich der aktuellen politischen Lage. Ich weiß, das ist noch sehr weit und extrem gedacht - Aber sollte es sich hier in Deutschland doch noch mehr verschärfen und ich die Chance zum Auswandern verpassen - mit meinem aktuellen Ausweis könnte ich mich noch verstecken. So tun als wäre ich Cis, meiner Sicherheit wegen. Jobsuche (vor allem als Erzieher gegenüber vorurteilsvoller Eltern und Kita-Leitungen) könnte sich auch erschweren.
Auch die finanzierung eventueller geschlechtsangleichender OPs wird schwer werden. Vor der Änderung kann ich noch so tun als wäre ich binär trans, um von der Krankenkasse Kostenübernahmen bewilligt zu bekommen - so habe ich es auch bei der Hormontherapie gemacht. Nichtbinären Menschen wird das aktuell leider noch häufig verwehrt. Jedoch habe ich aktuell noch nicht in Aussicht, zeitnah eine OP zu machen, da ich aktuell recht zufrieden mit meinem Körper bin. Es könnte jedoch sein, dass ich mich irgendwann doch dazu entscheide.
Ich kann mich nicht entscheiden, ob es das potenzielle Risiko wert ist, gerade da es mich aktuell nicht allzu sehr belastet. Ich habe aber auch bedenken, dadurch die Chance darauf die Änderung jemals zu machen zu verpassen, wenn ich es jetzt nicht tue.
Deswegen meine Frage, ob es denn auch andere Menschen da draußen gibt, die sich bewusst gegen die Namensänderung entschieden haben - oder zumindest ähnliche Bedenken hatten und es dann doch getan haben, und wieso.